Krisenhilfe
Dissoziation und Flashbacks
Was tun bei plötzlicher Abspaltung oder dem Wiedererleben belastender Erinnerungen?
Was ist Dissoziation?
Dissoziation ist ein Zustand, in dem das Bewusstsein, das Erleben oder das Körpergefühl plötzlich verändert ist. Betroffene fühlen sich wie 'neben sich stehend', erleben die Welt wie durch einen Schleier oder haben das Gefühl, den eigenen Körper nicht mehr richtig zu spüren. Dissoziation ist eine Schutzreaktion des Gehirns auf überwältigenden Stress oder Trauma – sie hilft, unerträgliche Gefühle oder Erinnerungen zeitweise auszublenden.
Was sind Flashbacks?
Flashbacks sind das plötzliche, intensive Wiedererleben von belastenden oder traumatischen Erinnerungen – als würde das Ereignis noch einmal passieren. Sie können durch Trigger ausgelöst werden und gehen oft mit starken Gefühlen, Bildern, Geräuschen oder Körperempfindungen einher. Während eines Flashbacks verlieren Betroffene manchmal das Gefühl für Zeit und Ort und erleben große Angst oder Hilflosigkeit.
Wie erkenne ich Dissoziation und Flashbacks?
Anzeichen für Dissoziation sind: Gefühl der Unwirklichkeit, Leere im Kopf, Taubheit, Zeitlücken, das Gefühl, wie ein Roboter zu funktionieren. Flashbacks äußern sich durch plötzliche, intensive Erinnerungen, starke Angst, Herzrasen, Schwitzen, Zittern oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Beide Zustände können sehr beängstigend sein, sind aber nicht gefährlich – sie gehen vorüber.
Erste Hilfe bei Dissoziation und Flashbacks
Das Wichtigste ist, sich selbst oder Betroffene wieder ins Hier und Jetzt zu holen (Grounding). Hilfreich sind: sich selbst festhalten, kaltes Wasser über die Hände laufen lassen, laut die aktuelle Uhrzeit und das Datum sagen, sich umschauen und fünf Dinge benennen, die man sieht. Tiefe, bewusste Atmung hilft, das Nervensystem zu beruhigen. Es kann helfen, eine Vertrauensperson zu kontaktieren oder eine Notfallkarte mit hilfreichen Sätzen bei sich zu tragen.
Langfristige Strategien und professionelle Hilfe
Wer häufig dissoziiert oder Flashbacks erlebt, sollte therapeutische Unterstützung suchen. In der Therapie werden Techniken zur Stabilisierung, Achtsamkeit und zum Umgang mit Triggern vermittelt. Psychoedukation hilft, die eigenen Reaktionen besser zu verstehen und zu akzeptieren. Mit der Zeit lernen Betroffene, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und sich selbst zu regulieren. Der Austausch mit anderen (z.B. in Selbsthilfegruppen) kann entlastend sein.
💡Praktische Tipps
🌀Nutze Grounding-Techniken: kaltes Wasser, sich selbst festhalten, Dinge im Raum benennen
🧘♂️Atme bewusst und langsam, um dich zu beruhigen
📅Sage dir laut das aktuelle Datum, die Uhrzeit und deinen Namen vor
🤝Kontaktiere eine Vertrauensperson oder Therapeut:in, wenn du Unterstützung brauchst
📝Führe ein Tagebuch über Auslöser und hilfreiche Strategien
👀Erkenne Warnsignale frühzeitig und entwickle einen Notfallplan
🌱Sei geduldig mit dir – der Umgang mit Dissoziation und Flashbacks ist ein Lernprozess
🔄Suche therapeutische Hilfe, wenn die Zustände häufig oder sehr belastend sind